Lorenz-Werthmann-Haus, Wiesbaden, 1997

1997 Neugestaltung des Flurs im Lorenz-Werthmann-Haus, Wiesbaden

45 Meter Flur gestaltete Renate Reifert 1997 im Lorenz-Werthmann-Haus in Wiesbaden. Die Wand scheint durch die lockere, getupfte Struktur des Farbauftrags zurückzutreten, sich ihrer Starrheit zu entledigen und weich und durchlässig zu werden. Die Farbe vibriert geradezu, ist in materieller Haptik und optischer Präsenz existent. Über die Länge des Flurs verändert sich die Farbe langsam, einzelne Segmente sind in differenten tonalen Harmonien gestaltet. Durch die unterschiedliche Farbgestaltung der einzelnen Abschnitte – von Gelb über Rot über Grün und Blau zu einem Herbstorange, erhalten die Bewohner*innen auch Orientierungshilfen. Auch die Türen wurden den einzelnen Farbzonen entsprechend lackiert“ konstatiert Renate Reifert rückblickend in einem Vortrag anlässlich der Farbentagung der Universität Mannheim.[1]

Interessant und farbpsychologisch aussagekräftig sind empirische Beobachtungen im Rahmen der Umgestaltung der Räumlichkeit. Dem Pflegepersonal erschienen durch die unterschiedliche Farbgebung die Wege kürzer. Eine Bewohnerin, die viele Jahre ihr Zimmer nicht mehr verlassen hatte, betrat nun freiwillig den blauen Abschnitt des Flurs. Ein Bewohner, der sonst immer wieder weggelaufen war, baute seine Hypermotorik mit dem Hin- und Hergehen im Flur ab.[2]

[1] Renate Reifert: Vortrag anlässlich der Farbentagung an der Universität Mannheim, Oktober 2003.

[2] Vgl. ebd.