In den über mehrere Jahre entstandenen prismatischen Bildern entwickelt Renate Reifert ihre Kompositionen jeweils aus einem kleinen weißen Zentrum heraus, in dem die bloß grundierte Leinwand sichtbar bleibt. Von diesem Nukleus ausgehend entfalten sich transparente Farbschichten, die – in Analogie zur physikalischen Brechung des Lichts im Prisma – übereinandergelegt werden. Ihre Mischwerte entstehen nicht auf der Leinwand selbst, sondern additiv erst im Wahrnehmungsprozess der Betrachtenden.
Aus der Überlagerung der Farbschichten geht ein neues chromatisches Potenzial hervor; die Gesamtheit der im Bild eingesetzten Farben bildet einen jeweils spezifischen Farbklang. Diese Farbräume eröffnen Fragen nach der Wahrnehmung und Wirkung von Farbe: nach ihrer emotionalen Resonanz, ihrer atmosphärischen Qualität und ihrem Einfluss auf die Betrachtenden. Farbe fungiert in diesen Arbeiten als zentrales Reflexionsmedium – sowohl in Bezug auf ihr eigenes Wirkungspotenzial als auch auf grundlegende wahrnehmungstheoretische Zusammenhänge.



























